Zwei Schicksalsschläge an einem Tag

und plötzlich ist alles anders...

Schön, dass Du da bist auf meiner Lebensbühne!

(Das Leben ist ein Schauspielhaus - das Schicksal teilt die Rollen aus...)

 

10.11.2019

Vorfreude auf Madeira - Tag 1

15.10.2019 - Tag 1

Keine Frage, als Mensch, dem das (Mit-)fliegen nicht in die Wiege gelegt wurde, habe ich schon ein wenig Bammel vor dem Flug nach Madeira (4 ½ Stunden).

Um 3 Uhr am Morgen geht es los. Wir starten unsere Autofahrt zum Flughafen Düsseldorf.
Auf dem Weg dorthin sieht Micha eine Meldung auf seinem Navi, die mir sprichwörtlich die Schuhe auszieht. “Großbrand am Flughafen” - da er fährt und die Meldung daher nur flüchtig gesehen hat. An der Stelle steigt mein Puls sitzend (kein Scherz) direkt auf 170; wenig später stellt sich heraus, nicht Düsseldorf ist betroffen, so wie es zunächst in unseren Köpfen herumspukt, sondern das Parkhaus in Münster-Osnabrück. 

Am Flughafen angekommen, sieht man unzählige Menschen an den Check-in-Schaltern stehen. Kein Wunder, es ist Ferienbeginn. Dennoch kommen wir gut voran und können direkt zur Sicherheitsabfertigung.

Da ich nun auch Thrombosespritzen und unzählige Salben sowie Medikamente mit mir im Handgepäck führen muss, stelle ich mich auf Diskussionen und lange Wartezeit an der Kontrolle ein. Von meiner Ärztin habe ich extra einen Medikamentenplan erhalten. Die Schlangen sind tatsächlich lang an fast allen Abfertigungsbändern. Aber ganz hinten durch stehen weniger Menschen an und wir gehen dorthin.

Dem Kontrolleur am Fließband übergebe ich mein Handgepäck und lasse ihn direkt wissen, dass sich darin Medikamente und Spritzen befinden. Auch weise ich ihn auf den Medikamentenplan hin, den er nicht einmal sehen will. Mehr noch, er schaut erst gar nicht in die Tasche hinein. Alles ist überhaupt gar kein Problem. Nach Tablet und Handy fragt er nicht, also lasse ich alles im Handgepäck (meist muss man das gesondert vorzeigen).

In der Wartehalle am Gate ist es auch ziemlich voll. Die zeitlich jetzt notwendige  Thrombosespritze gibt mir Micha dennoch dort. Hosenbein hoch, Spritze rein, fertig und ab ins Flugzeug. Jetzt beginnt mein Kopfkino. Sicherheitsvorführung vor dem Start. Schwimmweste, Beatmungsmaske ….Druckabfall in der Kabine. Es ist immer das Gleiche…ich darf darüber nicht nachdenken, ob mit oder ohne Krebs. Ich darf nicht drüber nachdenken… Die Gedankenkette habe ich vor jedem Flug. Es ist ein Drama. Jetzt mit Lungenkrebs habe ich unsägliche Angst, besonders in geschlossenen Räumen keine Luft mehr zu bekommen und es fängt schon mit negativen Gedanken an, überhaupt schlechter atmen zu können.

Mir hilft neben meinem Mann an meine Seite auch immer mein Hörbuch, Stöpsel ins Ohr und ablenken.

Dennoch kann ich augenblicklich nur über ein Nasenloch atmen. In der Nase schaut es aus wie eine Wundlandschaft. Alles trocken und rissig, unter der Nase ebenso. Hatte ich schon erwähnt, dass sich ausschaue wie ein Monster? Nicht, dass ich mich im gesunden Zustand selbst für super hübsch hielte, welch eitle Selbstbetrachtung, doch die Ela, die ich zur Zeit im Spiegel sehe, hat für meine Begriffe mit meiner ehemaligen äußeren Hülle nur noch wenig Ähnlichkeit. Es ist ja, wie es ist. Entzündungen hin und her, sie sind da - dank kleinem blauen Ordnungshüter. Aber auch die Blutwerte haben sich verbessert, dank kleinem blauen Ordnungshüter. Kann ich ihm also böse sein? Nein!

Und ich merke, je besser es mir geht, umso mehr Gedanken mache ich mir wieder um mein Äußeres, das beginnt schon mit dem Haarausfall, der üppiger ist als sonst, doch - toi toi toi - davon sieht man nix - und wenn ich mir ins Haar greife, merke ich den Schwund auch nicht.

Um 9.10 Uhr Ortszeit landen wir sehr gut auf Madeira. Das Klima dort ist herrlich. Auf die Koffer müssen wir nicht lange warten und ab geht es zum Bus, der uns ins Hotel bringt.

Ich wundere mich nicht mehr über die Ruhe, die ich äußerlich und innerlich seit Neuestem auf Reisen an den Tag lege. Wenn ich dabei an früher denke….was war ich für ein Nervenbündel….(vom Flug einmal abgesehen ;-)

Das Hotel ist eine Wucht. Diese Ruhe! Diese Behaglichkeit! Wohlfühlen - gleich von Anfang an!

Das Zimmer ist riesig, die dazugehörige Terrasse ruhig und ohne Fremdeinsicht gelegen. Die Anlage wunderschön blumig und grün, direkt am Meer!!! Das Personal und das Publikum sind angenehm. Passt!

Können wir wärmstens empfehlen!

Herrlich ist es, draußen zu sitzen, eine Kleinigkeit zu essen und dabei direkt aufs Meer zu schauen.

Madeira 1.jpg
Obwohl wir zum Umfallen müde sind, machen wir uns auf den Weg durch den Ort. Hier geht es bergauf und bergab. Üppige Pflanzen, Blumen in wundervoller Pracht und Farbe. Auf Madeira  lässt es sich bestimmt wunderbar leben. Ich verliebe mich sofort in diese Insel.

Wir kaufen uns ein Eis in der Gelataria Venezia. Das heißt, eigentlich will jeder von uns ein Eis. Aber als sich Micha zwei Kugeln bestellt, sehen wir schon beim Auftun der ersten Kugel kaum noch das Waffelhörnchen.

Wir teilen uns unterwegs dieses herrliche Eis und sind froh, nicht noch ein zweites gekauft zu haben. Irre, super lecker und dafür nur 2,50 Euro.

Eis.jpg

Als wir später durch unseren Ort laufen, kommt uns eine Frau in Begleitung ihres Mannes entgegen. Die Frau erinnerte mich zumindest von ihrer Statur und ihrem T-Shirt an meine Ma. Komisch, ich konzentriere mich auch nur darauf und als sie an uns vorbei gehen, lächelt die Frau uns herzlich an…..

Ein Lächeln kann so viel bewirken!

Müde kommen wir wieder ins Hotel und ich stelle fest, dass ich mit Birkenstock-Schlappen, offenen und wunden Zehen, ganze 13.500 Schritte zurückgelegt habe.

Michaela Schmidt - 17:24 | Kommentar hinzufügen

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