Zwei Schicksalsschläge an einem Tag

und plötzlich ist alles anders...

Schön, dass Du da bist auf meiner Bühne des Lebens! 

Das Leben ist ein Schauspielhaus - das Schicksal teilt die Rollen aus...

 
 

13.12.2019

Gefangen wie ein Fisch im Goldfischglas

13.12.2019

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Mittlerweile fühle ich mich gefangen wie ein Fisch im Goldfischglas.

Ich schreie stumm vor mich hin. Schaue durch das Glas hindurch und sehe die Welt da draußen durch eine gebogene Glasscheibe.

Nachts finde ich keine Ruhe und tigere wie ein scheues, gehetztes wildes Tier im Dunkeln durchs Haus. Ich schleiche  wie ein Panter in seinem Käfig an seinen Gitterstäben entlang.
8 Nächte ohne Schlaf machen etwas mit einem.
Stumme Angst gepaart mit Unwohlsein tut ihr übriges dazu.

Herr und Frau Angst, die Guten, sind immer dabei und Fräulein Ungewissheit flüstert den beiden stolz ins Ohr, dass nur sie weiß, wie es weitergehen wird.

Seit ich die Bestätigung habe, dass mein guter blauer Ordnungshüter gerade mal (hoffentlich noch immer) den Scheißkerl in der Lunge in Schach hält, aber nicht mehr gegen die Metastasen (Lymphknoten im Bauchraum, im Hals und unter der Achsel), Nebenniere und wer weiß wo noch ankommt, bin ich in ein tiefes Loch gefallen.

Dieser Rückschlag nach nur 5 Monaten gelungender Einnahme der kleinen blauen Chemotablette, die mich hat wieder so richtig aufleben lassen, ist einfach zu gravierend.

Nun, seit Anfang November ist mein kleiner blauer Ordnungshüter nicht mehr voll bei der Sache, das heißt, es ist wie zu Anfang meiner Krankheit, ein Teil davon bleibt unbehandelt. Die Krebszellen können sich nun wieder ungehindert ausbreiten….jetzt haben wir Mitte Dezember. Ich darf mir nicht vorstellen, welcher zeitliche Spielraum der Freitheit das für den Scheißkerl bedeutet.

Nein, Frau Schmidt ist nicht immer stark und tapfer, auch hat sie nicht immer die Kraft und was weiß ich noch alles.
So richtig verstehen kann das nur einer, der in einer vergleichbaren Situation ist wie ich, da machen wir uns mal nichts vor.
Und das ist auch nicht böse gemeint!!!

Mittlerweile merke ich auch wieder die ersten negativen Veränderungen im Körper. Ich habe in der letzten Woche einen erbsengroßen Knubbel, diesmal in Höhe des rechten Rippenbogens, ertastet. Vor der Therapie mit der Chemotablette hatte ich vereinzelt mehrere dieser Knubbel im Rückenbereich, die sich aber während der Therapie aufgelöst haben.
Auf der Nase bilden sich Verkrustungen, die auch vor der Therapie zum Vorschein kamen. Vermutet wurde der weiße Hautkrebs. Mit der Therapietablette habe ich das wohl alles weggeschluckt.

Die Anzahl der verdickten Lymphknoten am Hals wird deutlich mehr und sie tun auch weh.
Im Gesicht wird wieder alles rau und spröde, die Lippen und Schleimhäute trocknen aus. Miss Pickeldi ist auch wieder da.
Meine Zehen erholen sich nicht mehr und die Finger werden empfindlicher, blutiger.
Die Schleimhäute in der Nase sind völlig im Eimer. Die Heizungsluft zu der kalten Jahreszeit kommt da natürlich wie gerufen. Blut ist überall, auch im Urin. Wobei mein Hausarzt der Meinung ist nach einer Ultraschalluntersuchung, dass ein geplatztes Äderchen die Schuld trägt und die tägliche Anwendung zweier Thrombosespritzen. Ich solle mir darum keine großen Sorgen machen. Na, wenn es mehr nicht ist….. Eigentlich kommt es doch auf eine Sorge mehr oder weniger nicht mehr drauf an….

In meinem Bauch beult sich linksseitig etwas hervor und die ziehenden Schmerzen im Rückenbereich sind mitunter unerträglich. Es fühlt sich zuweilen an, als würde der Teufel in meinen Eingeweiden herumwühlen.

Ehrlich, das wünsche ich keinem Mensch und Tier!

Ich will ausbrechen, das Glas durchbrechen, doch dann würde ich wie ein Fisch auf dem Trockenen schwimmen. Das geht nicht lange gut.

Natürlich brauche ich die neue Therapie und das am besten sofort! Aber bis ich diese erhalte vergehen noch ein paar Tage und schlaflose Nächte. Das allgemeine Unwohlsein ist furchtbar.
Der fehlende Schlaf macht mich ramdösig.

Nette Ratschläge wie Ablenkung und Aufhören mit der Grübelei klingen positiv und sind gut gemeint, das weiß ich. Aber es fühlt sich ähnlich utopisch an wie der Versuch, lose Papiere und Unterlagen bei Regen und Sturm auf hoher See ordnen zu wollen.

Permanente Schmerzen und Ängste machen etwas mit einem.
Natürlich greife ich sogar schon zu Schmerzmitteln. Soweit ist es schon gekommen mit mir. Doch auch das hilft nicht. So hat mir meine Ärztin geraten, auf Opiate umzusteigen…. Aber Hanf in Form von CBD Öl solle ich meiden, da es in Verdacht steht, Wechselwirkungen mit der neuen Tablette zu verursachen.
Na, soweit kommt das noch. Betäubungsmittel…..

Hier geht es nicht um ein Haus, welches die erste Bauphase nicht überstehen wird.
Es geht hier um mich und um mein eigenes (Über-)Leben.
Und das macht mich wahnsinnig, ängstlich, stumm, kleinlaut und machtlos.

Da mir die für Tarisso (Osimertinib) fehlende Untermutation fehlt, nehme ich nun zwangsweise an einer Studie teil, die engmaschige Untersuchungen - z.B. auch per PET CT - anbietet.

Am kommenden Montag habe ich einen Termin zum PET CT, welcher Voraussetzung ist und den ich zunächst überstehen muss, damit ich die Studie beginnen kann. Die Auswertung wird noch zwei bis drei Tage in Anspruch nehmen, so dass wir dann hoffentlich gegen Mitte der Woche mit der neuen Tablette starten können.

Eher geht es nicht und ich finde, über 6 Wochen eine Chemotablette schlucken zu müssen, die Dir nur halbwegs hilft und den Rest sich selbst überläßt, ist eine verdammt lange Zeit.

Hier geht es wie immer um Geld, nicht um das Wohl des Patienten!!!

Wohlgemerkt, auch die neue Tablette wird mit 80 mg eben auch keine Vitamintablette sein. Und ich fühle mich bereits von innen heraus weggeätzt. Mit der Afatinib 30 mg hatte ich schon so meine Problemchen…

Wenn diese Tablette nicht anschlägt, bleibt mir in dieser Form erstmal nichts mehr als eine Immun- oder Chemotherapie….

Und der Wind singt ganz leise im Hintergrund sein Lied….

Michaela Schmidt - 14:35 | Kommentar hinzufügen

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